Es ist der 27.07.2020. Unser eigentlich seeeehr entspannter, für Pubertierende, eigentlich eher langweiliger Urlaub geht zu Ende. Um entspannt Heim fahren zu können beschließen wir, nachts zu fahren, da es nicht so warm ist, die Straßen sind nicht so voll sind und wir ja ausgeruht. Wir packen nach dem Mittag unseren Campingkram ein, ein kleiner Haushalt, Tische, Stühle, Küchenkram, Schlafliegen, Schlafsäcke, 3 Koffer und aller möglicher Krimskrams landet, wie auch zur Hinfahrt, im Auto, im Trunk, Frunk, hinter den Sitzen. Theo wird eingebaut, hat aber doch Platz. So, fertig, wir sitzen drin, Fahrhebel auf D… Tesla fährt nicht! Sch…! Oh nein, unser übliches Bremsenproblem.

Die Feststellbremse ist vom Kauf an defekt. Ein Riss in der Abdeckung der Feststellbremse. Tesla ServiceCenter Nürnberg weißt jede Gewährleistung/Garantie von sich und behauptet, dass wir diesen Schaden verursacht haben. In Anbetracht dessen, dass unser Tesla Model 3 SR+ vom Transport einen Schaden an der Fahrerür hatte und wir nicht wissen, was da passiert und noch passiert sein könnte, dachten wir wenigstens, dass das SeC anders reagiert hätte, als uns da gleich so abzuservieren. Die Tür wurde ausgetauscht und die GESAMTE linke Seite wurde nachlackiert – ein Unfallwagen – jetzt?! Wir hätten ihn nicht nehmen sollen, hatten uns doch aber so gefreut. Nur eine neue Tür und dann fertig. Somit haben wir den Fall an höhere Instanzen übergeben. Dadurch, haben wir die Bremse noch nicht reparieren lassen, um den IST-Zustand für Gutachter und Co. beizubehalten. Wie ein kaputter Zahn schmerzte uns die kaputte Bremse immer mal im Winter wenn es unter -5°C war und sie festgefroren war. Wir wägten uns bei wieder wärmer werdenden Temperaturen in Sicherheit und dachten, dass wir bis zur Klärung des Falles hinkommen und es bis spätestens Herbst schaffen.

Nun standen wir mit dem vollgepackten Auto bei 32°C Hitze auf dem Campingplatz… was jetzt?

TeslaPannenhilfe: „Ja, ist Garantie, wir holen sie, wird repariert.“ Auf Nachfragen, ob wirklich Garantie, schauten sie in unseren Account… „Hier steht: Nein, ist keine Garantie. Verstehen wir nicht.“ Tesla Nürnberg hat das so eingetragen und damit ist das jetzt so. Bei mehrmaligen Telefonaten an diesem und am nächsten Tag war der Ablauf gleich. Es gab sehr gute Mitarbeiter z.B. Mike ein Niederländer, Danke nochmal. Sie haben alles versucht mich zu beruhigen und Möglichkeiten aufzudecken. Sie hätten die Pannenhilfe auch geleistet, aber das hätten wir komplett bezahlen müssen.

Wir haben ja noch eine Schutzbriefversicherung. Also beim ACE angerufen. Das Abschleppen und PickUpService (Mitnahme der Insassen) sind versichert. ACE: „Ach es ist ein Tesla. Der muss ja ins nächste ServiceCenter, das ist in Mailand. Da muss ein zertifiziertes Abschleppunternehmen kommen. Dieses ist erst am nächsten Tag Nachmittag verfügbar.

Was machen wir jetzt? Warten auf morgen. Zelt wieder auspacken, Campingplatz nachbuchen. Die Mädels an der Rezeption machten eine Umbuchung und hielten uns den Platz frei, denn sonst wäen morgen neue Leute gekommen und unser Auto steht ja auf dem Stellplatz. Somit war fast alles wieder draußen aus dem Auto und im Zelt. Die Nerven lagen blank. Wird morgen das Apschleppen gelingen, werden sie in Mailand die Bremse reparieren, ist eine zum Austausch vor Ort, oder muss diese bestellt werden, wie lang müssen wir in Mailand bleiben, fahren wir nach Hause und holen das Auto später wieder??? Es war einfach schrecklich. Das Ganze klären auf englisch, deutsch, italienisch, nicht zu wissen, wie es weiter geht. Mit dem ACE klärten wir die Optionen: Zug von Mailand nach Hause, Übernachtung, Mietwagen aber nur für Italien nicht nach Deutschland. Frank bekam eine WhatsApp-Verbindung zum ACE-Italien und diese vermittelten jetzt zwischen Deutschland, Italien und uns. SIXT hätte uns ein Fahrzeug vermietet, muss aber in Italien wieder abgegeben werden. Coronabestimmungen. Ok, mehr konnte man an diesem Tag nicht mehr machen. Schlafen, so gut es geht.

Frühstücken- Kaffekanne war ja auch wieder draußen. Dann der Anruf, der Abschlepper kommt zwischen 14:30 und 15:00. Unser Startsignal; wir packten alles wieder ein. Eine Option gab es noch: Unsere Mandy war mit ihrer Familie und Freunden 15 km weit entfernt von uns, ebenfalls Urlaub machen. Wir kontaktierten sie und sie war gleich für uns da. Trotz erheblicher Enge in ihrem Bungalow, holte sie ihn ab und sie nahmen Theo auf und er konnte dort erst einmal bleiben, bis wir wussten, was jetzt wird. Danke nochmal dafür, an euch alle. Somit war ein Koffer und zwei Rucksäcke weniger zu verstauen. Auch war Einer weniger zu motivieren diese Sch…situation auszuhalten. Nun saßen wir auf unserem Handgepäck auf zwei Stühlen im Schatten unterm Olivenbaum und warteten auf den zertifizierten Abschleppdienst. Die Whatsapp traf ein, dass sie 15:30 da sein müssten, das waren sie dann auch.
Am Fahrzeug kamen mir schon Zweifel auf, wie sie uns denn mit nach Mailand nehmen wollten. Sie kippten ihre Ladefläche. Der eine Herr machte (brach sie gleich mal ab) die Klappe für die Abschleppöse auf. Immerhin wusste er, dass die Öse im Frunk lag. Jetzt machten sie das Zugseil an der Öse fest. Das kann doch nicht…! Ich wetterte auf D-englich los, was das soll und das da Rollen untergebaut werden müssen und ob sie denn wirklich zertifiziert seien. Und außerdem, wie sie uns denn mit nach Mailand nehmen. Da kam der nächste Hammer. Sie nehmen uns nicht mit- Coronabestimmungen. Hatten ja auch gar nicht so viele Sitzplätze. So dann, nix mit PickUp-Service. Frank schlichtete die strittige Situation- wir werden uns selbst kümmern nach Mailand zu kommen. Nun hängten sie den schon wieder abgenommenen Haken wieder an und schleiften den Tesla mit blockiertem Rad auf die Transportfläche. Wir bezahlten unseren Anteil, der über die bezahlten Kilometer der Versicherung hinausging und wurden von den beiden Herren mit den schadenfreudigen Worten „Bye bye Tesla“ zurückgelassen. Bepackt mit unseren Taschen, mit dem Nötigsten, trabten wir los zur Rezeption des Campingplatzes. Dadurch das Abschleppen noch rechtzeitig stattfand mussten wir nur einen halben Tag länger bezahlen. Auf dem Weg dahin, liefen wir an einem Zelt vorbei, das zwei jungen Burschen gehörte, die am Vortag eingecheckt hatten. Ich sah sie gerade kommen, als ich eigentlich unsere Endabrechnung vom Camping machen wollte. Die beiden saßen vor ihrem Zelt und mir schoss ein Gedanke in den Kopf. Ohne lange nachzudenken, fragte ich sie, ob sie nicht Lust auf einen Ausflug nach Mailand hätten. Ganz verdutzt schauten sie sich an und überlegten.
„Der Tesla?“
„Ja“
„Hm, essen wir halt in Mailand zu Abend?“ „Ok, wir machen’s!“
YES, war ich froh. Riesen Dank nochmal an euch Julian und Nicolas. Noch vor 16:00 saßen wir bei ihnen im Auto und fuhren unserem Auto hinterher, oder besser an ihm vorbei. Der Abschlepper fuhr wahrscheinlich die mautfreie Straße und kam erst deutlich nach uns in Mailand an. Das sahen wir, als wir beim SeC ankamen. Dort nahm sich uns ein Tesla-Mitarbeiter an, Frederic. Alles auf englisch erklärten wir, was auf sie zukommen wird, und wir loteten die Optionen aus. Reparieren, damit wir fahren können, oder die Bremse tauschen, beides schien möglich. Auch eine Bremse war da. Wir bestätigten dass wir die Rechnung bezahlen, anders hätte das ja nicht funktioniert- keine Garantie steht in unserem Account. Somit mussten wir erst einmal auf das Auto warten. Frank schrieb eine WhatsApp an ACE-Italien, wo das Auto ist. „Es ist unterwegs.“ Schnell buchte ich ein Hotel in der Nähe. 2,1km entfernt Motel Est, ok, können wir laufen bis dort hin. Frederic fragt, was wir jetzt machen, wo wir bleiben, denn das SeC schließt jetzt 17:00. Ich zeigte ihm meine Buchung, er schaut kurz nach, sagt, er fährt uns hin. Er klärt kurz noch etwas und dann springt er zur Tür hinaus. Steckt ein Model X ab und fährt vor die Tür, winkt uns zu, hebt die Flügeltüren hoch und zack sitzen wir drin. Vom kühlen Sec, ins kühle Tesla Model X, ins kühle Motel. Mit Frederic machten wir aus, dass er uns anruft, wenn unser Auto dran ist und er überlegt noch uns sogar wieder zu abzuholen.


Wir kommen langsam etwas unter. Es wird werden. Wir kamen uns die letzten 24 Stunden wie in einem Escape Room vor. Im Motel angekommen, erreicht Frank die WhatsApp von ACE-Italien; das Auto steht vor der Werkstatt. Wir schauen auf unsere TeslaApp. Tatsächlich, unser Jasper steht vorm SeC. Erstmal frisch machen, etwas essen und dann schlafen, mal wieder in einem Bett und nicht auf der Campingliege, mit Klimaanlage, sehr angenehm. Nach dem Frühstück buchen wir noch eine Nacht nach, weil wir nicht wissen, wie schnell das Auto fertig wird und wie fit wir dann sind. Alles klar. Wir laufen die 2,1km zum SeC. Dort angekommen herrscht schon emsiges Treiben. Viele haben Servicetermine, kaufen und laden Zubehör ein, haben Kaufgespräche im Store. Auch die Werstatt hat gut zu tun. Wir gehen gar nicht rein, sondern warten einfach draußen. Frederic kommt irgendwann an uns vorbei gelaufen und sieht uns: „The Car is here!“ sagt er freudig und „It’s a busy Day.“. Nach über einer Stunde Warten, kommt er zu uns und sagt, dass sie sich in 40 Minuten kümmern werden. Wir haben Zeit, alles geklärt, sind nur auf die Kosten gespannt. Dann kommt ein Mitarbeiter, öffnet das Auto, legt Folie über Sitz und Lenkrad, versucht es zu fahren; geht nicht. Eine weiterer Mitarbeiter kommt, zieht die Aerocaps (Radkappen) ab, will sie in den Kofferraum legen; ist voll, sorry. Jetzt bauen sie, die uns bekannten Rollen unter und schieben unser Auto in die Werkstatt. Sie schauen, was zu tun ist. Bange Minuten für uns. Frederic kommt, sagt, dass sie die Bremse tauschen werden. Wir sollen den Kostenvoranschlag von 761,-€ bestätigen und dann können sie loslegen. Das taten wir natürlich. Es wird ca. 3-4 Stunden dauern und er wird uns ein Uber-Voucher geben, damit wir uns die Zeit vertreiben können. Frank lädt sich fix die App runter und erhält gleich den Gutschein drauf. Jetzt haben wir Zeit, bemühten die Uber-App und nach 10 Minuten saßen wir im Taxi und fuhren zum Mailänder Dom. Ok, das war jetzt mal nicht so geplant in unserem Urlaub, aber was soll’s, wenn wir schon mal hier sind. Die Zeit verging auch recht schnell und nach Ausprobieren von Bus und U-Bahn, bestellten wir uns dann wieder ein Uber zum SeC. Während der Fahrt rief dann Tesla Rom an, dass unser Auto fertig sei. Perfektes Timing. Mit etwas gemischten Gefühlen warteten wir auf die Rechnung. Waren die 761,-€ nur der Preis für die Bremse? Kamen da noch andere Posten hinzu, wie Bremsflüssigkeitswechsel, Arbeitszeit usw.? Wie sich heraustellte, war es dieser Rechnungsbetrag, die Hälfte des Voranschlags von Nürnberg. Warum auch immer. Egal! Unser Auto wurde uns vollgeladen vor die Eingangstür gefahren, wir stiegen ein und er rollte wieder. Vielen lieben Dank an das SeC in Mailand und Frederic für seine Hilfe.
Endlich ist der „kaputte Zahn“ entfernt. Jetzt konnten wir endlich wieder fahren und unser Plan lichtete sich. Wir fuhren zum Hotel um unsere Sachen zu holen und auszuchecken. Da mussten wir nicht einmal den angefangenen nachgebuchten Tag bezahlen. Das war sowas von kulant. Auch hier einen lieben Dank an das Motel Est. Wir fühlten uns fit und beschlossen Theo von Mandy abzuholen und nach Hause zu fahren. Über Nacht, eigentlich so, wie wir es vor 2 Tagen schon wollten. Wir fuhren 117 km von Mailand nach Desenzano, dazwischen nochmal fix in Brescia laden, dass Mandy noch Zeit hatte, weil sie einen Ausflug machten, und damit wir gleich metern konnten. Um 20:30 fuhren wir in Desenzano los. Haben 10 Minuten nach 110km in Trento geladen, um bis zum Brenner zu kommen, das waren 139 km. Dort 20 Minuten laden im Nichts. Nicht mal die Toiletten hatten geöffnet. Dann 236km nach Pfaffenhofen, der schlechtesten Raststätte in unserem Ranking, da kommt jetzt der Brenner aber noch davor. Nach 35 Minuten weiter zum letzten SuC in Weiden den wir nach 141km erreichten und nur 10 Minuten in Anspruch nahmen, um nicht ganz so leer zu Hause anzukommen. Am 30.07.2020 um 6:00 lagen wir in unserem eigenen Bett und schliefen kurz unser Jetlag aus. Geschafft!!! Eigentlich ein Roadtrip über 62 Stunden mit allen Gefühlen, die man sich vorstellen kann.
Ich liebe dieses Auto. Es macht was es soll, wenn der „Zahn“ gut ist. Da ist das einzige Manko, was dieses vergangene halbe Jahr etwas holprig gestaltet hat. Ich weiß nicht, was die nächste Zeit bringen wird. Entscheidungen stehen an, die nicht in unserer Macht stehen. Ich kann mir momentan kein anderes Automodel vorstellen und was auch immer kommt, die Marke Tesla ist und bleibt vom Auto her durchdacht. Was den Service betrifft, gibt es große Unterschiede. Wie ich auch in diversen Foren lese und jeder macht seine eigenen Erfahrungen. Setzt jedes SeC seine Strategie anders um? Im Moment bin ich so drauf, dass ich mich ins Auto setze und hoffe, dass nichts dran ist, ein unwohles Gefühl im Bauch macht sich breit, wenn ich an Servicearbeiten denke. Das wird auch bei Neubestellung eines Model 3 so bleiben. Ich hoffe, es verwächst sich. Und dann wird es eine neue Story.

PS. In Italien kostet es noch nichts am Supercharger zu laden. Wir hatten als Energiekosten für die Fahrt hin und zurück 48,-€ für über 1500km. In Verona haben wir über die VeronaApp kostenlos geladen, auf dem Campingplatz ca. 40kWh mit 16,-€. Besser geht’s nicht. Campingplatz ist Ladeparadies, denn ganz nach Ove Kröger: „Steht er, dann lädt er!“

Alles was hier wie Werbung rüberkommt, hat uns geholfen uns da durch zu kämpfen und war wirklich sehr hilfreich. Alles unbezahlt und aus voller Überzeugung.